Der Nachbar

Der Nachbar

Der Nachbar ist ein eigenartiges Wesen. Er wird einem bunt zugeteilt, man kann ihn nur in den seltensten Fällen wählen, er ist da und irgendwie soll man mit ihm «können». Im Idealfall stört er nicht und nervt nicht, noch besser, wenn er während der Abwesenheit unsere Katze füttert und ansonsten keine dummen Fragen stellt und selbstverständlich unseren sämtlichen Bauprojekten wohlwollend gegenüber steht 🙂

Aber… der Mensch ist ein soziales Wesen. In Zeiten, wo die eigene Familie in der ganzen Welt (da reicht im Notfall auch schon das andere Ende der Schweiz) verstreut ist, ist es schön, wenn man sich in einer Notsituation ohne Fragen und falsche Hemmungen Hilfe holen kann und diese auch bekommt.

Unsere Nachbarn Kathrin und Ruedi lebten die letzten 20 Jahre ruhig und unauffällig neben uns. Es wurde auf der Strasse gegrüsst, es wurden ein paar Worte gewechselt, wie geht es der Katze? was macht die Krankheit? es gab Weihnachtskarten (ach, wie werde ich die Frögi-Post vermissen!), manchmal ein paar Blumen oder eine Konfitüre.

Letzte Woche brauchten die beiden unsere Hilfe. Und sie haben sich getraut, uns anzurufen. Zur Unzeit. Egal. Genau DAFÜR sind Nachbarn da und genau dafür lohnt es sich, auf der Strasse zu grüssen, ab und an etwas zu plaudern, die Katze zu füttern, ein Ei auszuleihen und ansonsten die Klappe zu halten und dem Nachbarn sein eigenen Leben zu zugestehen.

Weil… eines Tages, sind wir vielleicht auch froh, wenn sich jemand um uns kümmert und in den dunkelsten Stunden des Lebens «da» ist und «macht»! Liebe Kathrin, wo immer Du auch bist – Du warst eine wunderbare Nachbarin! und eine grossartige Künstlerin!

PS: das Bild hat mir in verdankenswerter Weise AI gepinselt. Auf Grund dieses Textes. Woher die wieder wissen, dass wir «Hund»?